Schinder 19.07.2008 (Schinderei im Schinderkar)

Tourdaten:

9 km

1000 Höhenmeter

6 Stunden

 

Start / Ziel

880m Valepp Wanderparkplatz

 

Gipfel

1808m österreichischer Schinder

1796m deutscher Schinder

Wieder einmal ging es im bewährten Team hinauf in die Höhen der Münchener Hausberge. Diesmal waren die Voraussetzungen ein wenig anders denn nach der letzten, doch ein wenig anstrengenden Tour, durfte ich diesmal hier nichts aussuchen. (Schade ) Diese Aufgabe oblag, vom Jan delegiert, ehrenvoll bei meinem Schwesterherz. Nun blieb es ja in der Familie und da kann sich jeder ausmalen, was wir für eine Tour sie wählte.

Die Alpen hier haben eine besondere Anziehungskraft, vor der keiner unsere Familie gefreit ist. So war meine Schwester extra aus Düsseldorf her gejetet, um uns in die Berge zu führen bzw. uns dem Alltag zu entführen. Es ging diesmal etwas später los und wir erreichten gegen 14:00 Uhr das uns wohlbekannte Valepp, oberhalb von Rottach am Tegernsee. Es führt eine teils sehr schmale Mautstraße von Rottach, auf der schon mal ein Bus entgegenkommen kann, hinauf. Ist daher nichts für schmale Nerven. Für die, die dies nicht abschreckt, gibt schon diese Auffahrt aber den ersten Kick. Die Maut beträgt übrigens 4,50 € bis zum Valepp und ist inklusive einer Tagesparkkarte.

 

Wie immer sind wir entsprechend vorbereitet. Der Rucksack ist gut gefüllt mit Speis und Trank, zudem haben wir lange Klamotten dabei. Einziger Kritikpunkt, für Außenstehende, ist unser Schuhwerk, dass nicht ganz den Anforderung an schwarze Wanderrouten entspricht. Nun laufe bzw. wandere ich nun mal lieber gerne in Cross Turnschuhen. Die Sneakers meiner Schwester, obwohl sie, in die letzten 20 Jahre auch damit klar kam, sind nicht geeignet und ich kann den geneigten Lesern nur empfehlen, geeigneteres Schuhwerk für solche Touren zu nutzen. Die Tour an sich ist nicht lang aber mit 1000 Höhenmetern teils steil, stellt einige Anforderungen an die Kondition und kostet teilweise einiges an Überwindung (zu mindestens uns Hobby Wanderern). Wie auch in den Wanderbüchern zu lesen war bzw. ist, ist zudem Trittsicherheit für diese Tour unabdingbar. Hätten wir, bzw. hätte der Jan, diesem Passus mehr Aufmerksamkeit gewidmet, wäre de r Schwierigkeitsgrad deutlicher erkennbar gewesen. Aber wir sind ja keine Mädchen 😉

 

Vom Parkplatz geht es teils steil und dann wieder recht angenehm, im Wechsel, über den Ostrücken und die Südflanke hinauf zum Schinder. Man kreuzt hier zunächst die weiße Valepp und geht dann ein schönes Stückchen hinauf durch den Wald. Ein kleiner Bach über Felsen, kreuzt direkt den Weg und man muss ihn am Drahtseil überwinden. Sollte die Wetterlage es bedingen und mehr Wasser fließen, ist das dann eine knifflige Aufgabe.

Weiter geht es bergauf über teilweise lichte Flächen, die einen wunderbaren Blick über die bayrischen Alpen offenbaren. Nach einer kleine Rutscheinlage von mir, hatte einen Baumstamm übersprungen und war danach etwas unsanft auf dem Hintern gelandet 😉 , ging es hoch zu (1400m). Dort bewirtet eine mindestens 80 Jahre nette Dame vorbeiziehende Wanderer mit leckerer Buttermilch, Orangensaft oder Kaffe. Es gibt auch „Ausgezogne“, an die wir uns, da es sich ja noch um dem Aufstieg handelte, nicht ran getraut haben.

 

Die letzten 400 Höhenmeter, geht es steil auf den schroffen Berg zu. Zum Schluss sind sogar auch leichte Kletterkünste nötig. Aber je höher man kommt umso umwerfender der Ausblick bis hin zu den weißen österreichischen Alpen. Allerding trägt der Anstieg auch Rechnung und ich entlastete meine beiden Mitstreiter nun, indem ich beide Rucksäcke trage. Das werde und muß ich das nächste Mal wohl noch mal mit Jan diskutieren.  !! Auf den letzten Metern sieht man in welchem Gebirge man sich befindet. Links und rechts des Grades, geht es steil und schroff in die Tiefe und so ist Schwindelfreiheit ist da ein Muss. Kurz vor dem Gipfel sieht man auch zum ersten Mal das Geröllkar. Hier mache ich noch meine Späße mit den Beiden, indem ich prophezeie, „da müssen wir runter“. Dies wird belächelt, denn der Gipfel ist nahe und somit das Ziel in Sicht.

 

Oben angekommen haben wir Glück, das wir den Gipfel nur 2 Minuten teilen müssen. Dann sind wir alleine und genießen unsere Brotpause. Ein obligatorischer Eintrag ins Gipfelbuch ist Muss und nach 25 min Pause geht es weiter über den bayrischen Gipfel hinab in Richtung Kar. Die Schilder die hier warnen „ Alpine Erfahrung, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich“ machen uns jetzt klar, auf was wir uns da eingelassen haben. Über eine, durch Drahtseile gesicherte Rinne geht es fast senkrecht bergab, bevor wir rechts schwenkend den Einstig in den des Kar erreichen.

 

Noch lächeln wir, da wir nur den Anfang sehen und noch nicht wissen was wirklich auf uns zukommt. Doch eine rote Spur auf dem Hinweisschild, welche durchaus als Blut interpretiert werden kann, zügelt weitere Befürchtungen. Dies unterstreicht ua. auch den heiklen Einstieg ins Schinderkar, der von uns vorsichtig über steile Felsstufen (Seilgesichert) abwärts zum so genannten Fenster bewältigt wird. Jan, der deutlich schneller war als Kathrin und ich, sitzt auf der anderen Seite des Fensters lächelnd als könnte er keiner Fliege was zu leide tun und als würde uns nichts Schlimmeres erwarten. Denn in diesem Tor stockt Kathrin der Atem, man muss senkrecht auf Bolzen (im Stein) Rückwerts absteigen. Dies ist nichts für kleine Menschen, weswegen meine Schwester ein paar Flüche ausstößt und dann auch diese Hürde wohl oder übel überwindet. Dann folgt das Geröll und mit ihm eine Zeit der Qual für Knie und Gelenk, auf dem sich ständig verändernden, fließenden und scharfkantigen Untergrund. Ein Wanderer er aufstieg, gab uns noch den Tipp, mit Mut diesen Abstieg zu bewältigen. Durchaus zu Recht, denn langsam ist es eine große Anstrengung, die mit Sneakers also ungeeignetem Schuhwerk noch verschlimmert wird. Nun das was uns nicht umbringt, macht uns stärker und unserer 20 jährigen Berg Erfahrung sei Dank(Dank auch an unsere Eltern), lässt uns auch diesen Bereich zeitnah überwinden.

 

Gott sei Dank, schlug dann erst am Ende des Kars das Wetter um und wir mussten kurzzeitig unsere Regenjacken überziehen. Doch, da der Weg nun deutlich leichter war und der Stolz über Erreichtes wuchs und wuchs, war dies eher von Nebensache. Gegen 8 Uhr erreichen wir dann den Parkplatz müde, glücklich und hungrig. Zum Glück war es vom Parkplatz dann auch nicht weit zum Gasthof Valepp, wo wir mit einem tollen Schweinebraten in der untergehenden Sonne und einen großartigen Panorama diesen Tag stilvoll beendeten.

 

Wieder eine tolle Tour mit tollen Leuten. Nur nächstes Mal wird Jan den Weg aussuchen und dann hab ich halt nur von einer hellblauen Tour zu berichten !

 

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